Seit 50 Jahren besondere Gemeinschaft

„Wenn wir zusammen sind, spielt die Behinderung keine Rolle“, bringt es Dr. Silke Bednarz auf den Punkt. Sie spielt Basketball beim Rollstuhl-Sport-Club (RSC) Oldenburg. Vor 50 Jahren ist der Club als erster selbstständiger Rollstuhlsportverein Niedersachsens gegründet worden, nach anfangs 15 Mitgliedern hat sich diese Zahl mittlerweile vervierfacht. Das Einzugsgebiet ist groß: Aus Emden und Aurich, Delmenhorst und Vechta kommen die Basketballer. „Es gibt für Rollstuhlfahrer nicht so viele Angebote dieser Art. Dass sie dafür 80 Kilometer zurücklegen, ist keine Seltenheit“, weiß Nacer Menezla.
Doch das ist nicht die einzige Hürde, die sportbegeisterte Rollstuhlfahrer überwinden müssen: „Mit einem Alltagsstuhl kann man keinen Sport treiben. Ein individuell angepasster Sportrollstuhl kostet ab 7.000 Euro aufwärts. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten im Normalfall nicht“, ist die Erfahrung der Mitglieder. „Das können sich viele nicht leisten.“
Sport wird damit zu einer Geldfrage. Dabei sei es für Rollstuhlfahrer besonders wichtig, sich zu bewegen, um Folgeschäden zu vermeiden und zu einem guten Verhältnis zum eigenen Körper zurückzufinden, erklärt Bednarz. „Und gerade bei den Kindern stellen wir fest, dass sie durch den Sport viel selbstständiger werden. Anders als im Schulsport erleben sie hier Sport auf Augenhöhe“, ergänzt Menezla. Auch vor diesem Hintergrund bietet der Verein für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 4 bis 25 Jahren mehrere Sportarten an. Neben Basketball ist dies unter anderem Badminton, Tanzen oder Tischtennis, hier kann sich der sportbegeisterte Nachwuchs ausprobieren und die passende Sportart finden. Aber es ist nicht nur der Sport selbst, den die Mitglieder im RSC schätzen. Netzwerken und Erfahrungsaustausch sind mindestens ebenso wichtig. Und: Der Sport und die Kameradschaft geben Halt. „Es gibt einige Mitglieder, denen es gerade in der ersten Zeit ihrer Behinderung – etwa nach einem Unfall – geholfen hat, hier Sport zu treiben. So haben sie zurück ins Leben gefunden.“
„Als der RSC gestartet ist, war der Behindertensport längst noch nicht selbstverständlich und entsprechend auch nicht so organisiert wie heute. Es gab weniger Vereine und weniger Sportarten“, weiß Harald Fürup. Mehr als 20 Jahre war er Trainer der Basketballer, in seine Zeit fällt auch der größte Erfolg des Vereins: der Aufstieg der Spielgemeinschaft Oldenburg/Sünteltal in die erste Bundesliga in der Saison 2010/2011. „Grundlage für diesen Erfolg war neben den sportlichen Leistungen vor allem auch die engagierte Arbeit aller Vereinsmitglieder“, betont Fürup. Unter den Mitgliedern sind längst nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch „Fußgänger“. Dies macht einen wichtigen Teil der Integrationsleistung aus, die hier gelebt wird. 
Unverzichtbar sind auch die Förderer. Neben dem Deutschen und dem Niedersächsischen Behindertensportverband und dem Deutschem Rollstuhl-Sportverband seien auch die lokalen und regionalen Sponsoren entscheidend, macht Fürup deutlich.  Zum Glück sei man in der Region mit langjährigen Förderern gut aufgestellt. „Dafür sind wir sehr dankbar, so haben wir eine Basis, auf der wir arbeiten und kalkulieren können.“ Denn das Ziel ist klar: 50 weitere Jahre dürfen es gern werden.